Ich übersetze Gedichte,
wenn ich anders sein will als mein Ich,
das Gedichte schreibt.
Wenn ich will, dass ich in einer großen Stadt geboren wurde,
vor irgendetwas Wichtigem, danach oder währenddessen,
wenn ich im Amerika der 40er Jahre leben will,
zu Zeiten des Schahs im Iran,
auf der linken Seite der Berliner Mauer,
wenn ich die Urenkelin einer jüdischen Großmutter sein will, die nach Kanada geflüchtet war,
der Enkel mit dem Namen eines Großvaters, der aus Sibirien zurückgekehrt war,
wenn ich schwarz sein will, gelb, rot, gestreift,
wenn ich mit dem Mund eines anderen
unbekannte Wörter sagen will,
so einfach wie Englisch,
so lärmend wie Polnisch,
so fließend wie Persisch.
Ich übersetze den Schmerz eines anderen
wie ein Zweitbesitzer
mit ruhiger Hand
und kaltem Herz,
weil mich der Schmerz nur theoretisch interessiert,
weil ich Arzt sein wollte …
Ich übersetze,
wenn ich mir mit jenem Ich, das schreibt, nicht einig werde.
_Aus dem Armenischen von Anahit Avagyan und Wiebke Zollmann
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